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Immer bunter. Ausstellung zur Einwanderung

Der Künstler Guido Messer entwirft 1982 die Skulptur "Der Ausländer" für die Gemeinde Reichenbach. Diskussionen im Gemeinderat verhindern die Aufstellung.  Ab 1989 ist sie im Bahnhof Obertürkheim zu sehen - zunächst nur unter dem Titel "Der Reisende". © Guido Messer/Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker

Der Künstler Guido Messer entwirft 1982 die Skulptur „Der Ausländer“ für die Gemeinde Reichenbach. Diskussionen im Gemeinderat verhindern die Aufstellung. Ab 1989 ist sie im Bahnhof Obertürkheim zu sehen – zunächst nur unter dem Titel „Der Reisende“.
© Guido Messer/Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker

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Der Regisseur Fatih Akin zeigt in seinem Film die Probleme einer in Deutschland aufgewachsene Türkin, die eine Scheinehe führt, um den Moralvorstellungen ihrer Familie zu entsprechen. © Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker

Deutschland war und ist ein Einwanderungsland, jetzt zeigt das Haus der Geschichte die große Themen-Ausstellung: »Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland« (10. Dezember 2014 – 9. August 2015) in Bonn. Es geht um die unterschiedlichen Facetten der Migration, die Schau beleuchtet unter anderem »die verschiedenen Phasen der Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg«.

Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte setzt auf die vielfältigen Sichtweisen und betont: »Deutschland als Einwanderungsland hat viele Gesichter und Geschichten, die wir aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Trotz vieler Ängste und Sorgen bereichern Menschen aus vielen Ländern, die zum Teil seit Jahrzehnten mit uns zusammenleben, unsere Gesellschaft«.

Die Ausstellung zeigt rund 800 Exponate – vom Moped des einmillionsten Gastarbeiters (Armando Rodrigues de Sà erhielt 1954 eine Zündapp Combinette) bis hin zum Kostüm des ersten schwarzen Karnevalsprinzen  – aber auch die Schattenseiten werden diskutiert: Das gescheiterte Attentat auf dem Kölner Hauptbahnhof (2006) wird anschaulich thematisiert.

Gastarbeiter

Mit Italien schloss die Bundesrepublik Deutschland 1955 das erste Anwerbeabkommen, es folgten Spanien, Griechenland und die Türkei. Allen Vertragspartnern war damit gedient. Die Bundesrepublik brauchte neue Arbeitskräfte für den wirtschaftlichen Aufschwung, die beteiligten Staaten erhofften sich Devisen und eine Lösung ihrer Arbeitslosenprobleme auf den heimischen Arbeitsmärkten. Der Anwerbestopp 1973 als Folge der Ölkrise beschleunigte eine Entwicklung, die sich bereits in den Jahren zuvor abgezeichnet hatte: Viele Gastarbeiter entschieden sich, dauerhaft in Deutschland zu bleiben und ihre Familien nachzuholen. Zuwanderer und Aufnahmegesellschaft standen vor neuen Herausforderungen. Seit den 1970er Jahren stieg die Zahl der arbeitslosen ausländischen Arbeitnehmer, die stärker von wirtschaftlichen Strukturkrisen betroffen waren. Defizite der Kinder bei der Sprachkompetenz und in der schulischen Ausbildung wurden überdeutlich. Die Bundesregierungen, die an der Maxime festhielten, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei, versuchten mit einer Mischung aus Integrationsangeboten und Anreizen für die Rückkehr in die Heimatländer auf die vielfältigen Probleme zu reagieren.

Einwanderungsland Deutschland

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Bürgerkrieg in Jugoslawien kamen seit den 1990er Jahren immer mehr Zuwanderer und Flüchtlinge nach Deutschland. Medienberichte über „Scheinasylanten“ und „Asylbetrüger“ verunsicherten die Bevölkerung; ausländerfeindliche Ausschreitungen sorgten für Entsetzen in der Öffentlichkeit. Auf die wachsende Zahl von Menschen mit ausländischen Wurzeln, die dauerhaft in Deutschland leben, reagierte die Bundesregierung im Jahr 2000 mit dem Staatsangehörigkeitsgesetz. Sie nahm damit Abschied vom Konzept der Staatsnation als Abstammungsgemeinschaft.
„Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“: Mit diesem Satz stieß  Bundespräsident Christian Wulff 2010 eine Diskussion in der Öffentlichkeit und in den Medien an, die bis heute andauert. Die Integration muslimischer Zuwanderer steht aktuell erneut im Fokus der Debatte. Kritiker beklagen die Entstehung von „Parallelgesellschaften“ sowie erhebliche Integrationsdefizite, während in vielen Bereichen das Zusammenleben unproblematisch ist.

Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland

10. Dezember 2014 – 9. August 2015

Haus der Geschichte Bonn
Museumsmeile
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn

www.hdg.de/bonn

Öffnungszeiten:
Di – Fr 9 – 19 Uhr
Sa/ So 10 -18 Uhr
Eintritt frei

Quelle: Haus der Geschichte Bonn

Teaser-Foto: Armando Rodrigues de Sà erhielt 1954 diese Zündapp Combinette als einmillionster Gastarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland. © Foto: Haus der Geschichte/ Axel Thünker
Quelle: Haus der Geschichte Bonn

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